Short StoriesPromifluestererPoetry

 

 

 

 

Schrankwand

 

Ein Blitz! Dann Stille. Gerd kauerte in der Nische einer Kiefernschrankwand. Sein Herz pochte Tango Mortale. Die letzten Minuten hatten ihm hart zugesetzt und bei dem Gedanken, daß noch weitere Minuten folgen würden, nässte ihm der Schritt.

Im Augenblick war es ruhig. Kein ohrenzerberstendes Kratzen mehr auf dem Marmorfußboden. Die schrillen Schreie hinter der Vorratskammertür waren verstummt. Gerd hatte das Gefühl, ein Zaunkönigsweibchen aus der grundstücksbegrenzenden Buchsbaumhecke vernehmen zu können. Es war fast ein wenig idyllisch.

Doch dann das Inferno. Eine Feuerwand schob sich durch die Wohnzimmertür, machte vor ihm halt und schwärzte die Decke. Kleine, zahnstochergroße Pfeile schlugen unter ihm in der Schrankwand ein. Eine mittelalterliche Wurfaxt streifte sein Knie und bohrte sich in ein Jamie-Oliver-Kochbuch. Piranhaartige Haareidechsen hatten sich in seinen Schuhen festgebissen. Das Ganze glich plötzlich einer äußerst prikären Situation. Gerd schloß die Augen und wünschte, er würde träumen.

Ein Blitz! Dann Stille. Gerd hatte geträumt. Schwitzend betrachtete er seine zitternden Hände. Sein Blick fiel auf das Jamie-Oliver-Kochbuch vor ihm. Gerd kauerte in der Nische einer Kiefernschrankwand. Sein Herz pochte Tango Mortale. Er schloß die Augen und dachte an russische Senfeier.



 
     
 

 

Wunderbare Welt

 

Wie wunderbar diese Welt ist... Da sitze ich, schlummernd, in einem Restaurantgastwirtschaftsbetrieb und versüsse die angearbeitete Freizeitluft mit meiner Anwesenheit. Gutes ahnend. Plötzlich durchstreift ein Hauch von Rosettenparfum die angenehme Frittenluft. Kaum umgeschwenkt, erkenne ich auch schon, was mich aus meinem porzellanernen Sekundenschlaf gerissen hat. Eine Dame. Mäßig bekleidet. Sie umkreist den wirtschaftenden Restauranttisch vor mir in liebreizendem Tempo. Meine rasante Auffassungsgabe bescheinigt mir, was ich mir schon dachte. Die Dame buhlt um Aufmerksamkeit.

Ich hatte mir schon gestern vorgenommen, auf solche plumpen Anmachversuche nicht zu reagieren. Doch die Lady liess nicht locker. Sie liess fest. Und zwar fallen. Einen großen Haufen. Direkt vor meinen Schuh. Den linken. Anmutig hob sie ihn auf und legte ihn neben die Geranien auf die Fensterbank. Dieses Verhalten überraschte mich abrupt. Doch um ihr meine Anerkennung zuteil werden zu lassen, blieb keine Zeit.

Schon hatte sie sich einer neuen, mich wahrhaft schockierenden Tätigkeit zugewandt. Ohne zu zögern entblößte sie ihre Zähne und legte eine umwerfende Amalgamlandschaft frei, die zu Höherem berufen schien. Der Schrei Glückseligkeit blieb mir im Halse stecken. Ein Wimpernschlag meinerseits hatte gereicht, das scheue Geschöpf zu verängstigen, und wie eine Wetterleuchte an einem frühsommerlichen Ostermontag hatte sie sich ins Dickicht der Restaurantgastwirtschaftsküche geschlagen. Mir blieb nur die Erinnerung an eine elfenartige Gestalt und ihren engelsgleichen Kackhaufen. Ich erhob mich in die Lüfte und umflog innert zweier Dekaden fünfmal diese wunderbare Welt...



 
     
 

 

Die Pupsmaschine

 

Groß und glänzend. Das war der erste Gedanke, der sich durch Emilys Gehirnwindungen robbte. Eine schöne Apparatur, die da von Professor Hayduk präsentiert wurde. Ehrwürdig hatte er ein weißes Laken von der Maschine gezogen, um sein neuestes Produkt dem interessierten Publikum zu offenbaren. Emily war noch völlig paralysiert, als sie von der Seite angesprochen wurde. Owen hatte sie mit einem breiten Grinsen gefragt, ob sie sich nicht bereiterklären wollte, als Erste diese einmalige Sensation zu testen. Plötzlich schienen alle anwesenden Augen auf sie gerichtet zu sein. Und auch Professor Hayduk streckte ihr schon die Hand entgegen, um ihr den Aufstieg auf das kleine Podest zu erleichtern. Emily war nicht in der Lage, sich zu wehren. Wie unter Hypnose schwebte sie in Richtung des metallischen Apparats. Hayduk nahm ihre Hand und führte sie zu der kleinen Sitzfläche, die sich im Zentrum der Maschine befand. Emily setzte sich und versuchte, die unendlich vielen verschiedenen Knöpfe und Drähte zu begreifen, die um sie herum leuchteten. Sie hatte kurz den Eindruck, in einer Spielhölle zu sein, den Fuß schon am Gaspedal des Autorennautomaten. Doch im nächsten Moment holte sie die Realität wieder ein.
Der Professor hatte noch zwei, drei Sätze an das Publikum gerichtet und schon lag seine Hand auf dem runden, roten Knopf, der klischeehaft verdeutlichte, daß man sich gerade einer nichtgewollten Gefahr aussetzt. Emily schluckte. Für eine weitere Handlung blieb keine Zeit. Eine Sekunde nachdem Hayduk den Knopf gedrückt, und die Maschine aktiviert hatte, schnallten sich zwei schwarze Riemen um ihren Bauch, daß ihr die Luft wegblieb. Der kleine Bildschirm vor ihr wurde von unterschiedlich farbigen Kreisen gefüllt, die sich langsam ineinander fügten. Emily war schlecht. Sie wollte sich übergeben. Der unangenehme Druck, der sich in ihrem Innern ausbreitete, wollte sich entladen. Sie konnte nicht anders. Der Druck war zu groß und schien ihren Leib zu zerreißen. Er forderte Erlösung. Sie ließ einen gellenden Schrei und einen zehnmal so lauten Pups erschallen.
Schwitzend und keuchend öffnete Emily die Augen und sah in die ungläubigen und entsetzten Gesichter der Menschen, die soeben Zeugen des enormsten Pups aller Zeiten geworden waren. Einige hatten Tränen in den Augen. Andere waren mit ausdruckslosen Fratzen verunstaltet. Die Welt stand still. Doch im nächsten Moment brach es aus den Zuschauern heraus. Sie jubelten. Klatschten. Fielen sich in die Arme, angesichts dieses unglaublichen Phänomens, dem sie gerade beigewohnt hatten. Emily war inzwischen von den Riemen befreit und stieg zitternd aus der Maschine. Den Tränen nahe wurde sie von Professor Hayduk umarmt. Leise vernahm sie die ersten Zeilen der amerikanischen Hymne.



 
     
 

 

Neujahrsgeschichte

 

Es begab sich aber zu der Zeit, daß ein Mann namens Jochen nur kurze Zeit an dem Ort verweilte, an den es ihn nie hätte verschlagen dürfen. Man sprach von diesem Ort als einem, den die Hölle höchstpersönlich ausgespuckt haben mußte. Jochen war in Wuppertal. Und zwar in den Bahnhofskatakomben.
Nun kramte er schon seit geraumen Sekunden in seinen Hirnwindungen nach der Antwort auf die Frage, wie er überhaupt hierher gekommen war. Bei der rasanten Reise durch seine Hirnhöhlen kam er an dem heutigen Datum vorbei. 31. Dezember 2007. Silvester. Im Wuppertaler Bahnhof. Das Schicksal hatte sich ein neues Katzenspielzeug gesucht - und es hieß Jochen.
Vom Schock gelähmt und durch unbekannte vorangegangene Geschehnisse benebelt, stolperte er an einer Dönerbude vorbei, aus der ihm ein türkisches, leichtbekleidetes Bauchtanzluder zuwinkte. Leise hauchte sie: 'Jüchen..'. Jochen wurde flau im Magen. Er hatte diese Frau in seinem vorherigen und auch in seinem jetzigen Leben noch nie gesehen. Woher wußte sie seinen Namen? Er beschleunigte seinen Stolperschritt und geriet in die Fangarme einer alkoholisierten, zahnlosen Wachturmanbeterin. Es roch nach modrigen Klosteinen, die die Dame anscheinend seit dem Krieg in ihrer Einkaufstasche hortete. Mit Mühe konnte sich Jochen aus ihrem Netz schneiden. Schweiß nässte seinen Schritt.
Er hatte das Gefühl, Tageslicht riechen zu können und langsam keimte Hoffnung in ihm auf. Sein Blick fiel auf eine aus den Fugen geratene Bahnhofsuhr. 23 Uhr 58. Noch zwei Minuten bis Neujahr. Panik machte sich in ihm breit und trieb den Sackschweiß auf seine Stirn. Wie, zum Teufel, sollte er es schaffen, an den Hunderten von beschirmmützten Jungschuldnern vorbeizukommen, die sich mittlerweile um ihn herum aufgebaut hatten? Noch erfüllten sie die Luft mit ihren klassischen, schlecht ausgesteuerten Handy-Hip-Hop-Klängen. Aber Jochen fiel auf, daß einige schon überteuerte Chinaböller im Anschlag hielten. Ihm blieb keine andere Wahl, als das zu tun, was er schon vor fünf Minuten hätte tun sollen. Er rannte zurück zur Dönerbude, begoß sein Glied mit Ayran und durchstach seine Zunge mit dem Dönerspieß. Die Bauchtanzlady quietschte vergnügt und in einer Frequenz, die den Wuppertaler Bahnhof erschüttern ließ. Putz fiel von der Katakombendecke und Pfeiler stürzten ein. Pünktlich wie ein Maurer hatte sich der Wuppertaler Bahnhof zum Jahreswechsel in Schutt und Asche verwandelt. Endzeitszenario.
Ein kleines, fleischfarbenes Kaninchen hoppelte um zwei Minuten nach Zwölf im Jahr 2008 über einen Berg aus Beton, der letztes Jahr noch eine Dönerbude war. Neugierig beschnupperte es einen merkwürdigen Pilz, der sich durch das Gestein an die jetzt frische Luft gekämpft hatte. Ein Pilz, der von einer weißen Flüssigkeit bedeckt war. Das Kaninchen leckte den Saft des göttlichen Pilzes, verwandelte sich schnurstracks in ein anmutiges, türkisches Bauchtanzluder und schrie lauthals: 'Jüchen!'

Prost Neujahr!



 
     
 

 

Fahrstuhl-Verwirrung...

 

Vor einigen Tagen stund ich in einem Fahrstuhl und ließ mich befördern. Nach oben oder nach unten.. Ich weiß es nicht mehr - aber es tut auch nichts zur Sache. Die Sache ist nämlich die, daß sich mein Gedankenmaterial versteifte. Und zwar auf die Frage, warum ein Fahrstuhl Fahrstuhl heißt....? Bei genauerer Betrachtung entbehrt ein Fahrstuhl jeglicher Ähnlichkeit mit einem Stuhl - und hinsetzen konnte ich mich in dem Gefährt auch nicht.
Ich bin inzwischen der Überzeugung, daß es sich um einen Fehler im Wort-Überlieferungs-Kontinuum handelt. Wurde der erste Fahrstuhl aus Stahl gefertigt, so hat man ihn vermutlich auf den Namen Fuhrstahl getauft. Und wie schnell werden durch menschliches Versagen ein A und ein U vertauscht... Ich werde mich also zukünftig wieder auf die Ursprünglichkeit besinnen und Fuhrstahl fahren.
Gott zum Gruß.



 
     
 

 

Eine Nacht auf dem Ponyhof..

 

Heute Nacht hab ich völlig unerwartet einen Ausflug gemacht. Ich dachte eigentlich, viel zu müde zu sein. Hatte mich ins Bett gelegt und die Äuglein geschlossen. Und dann war da plötzlich diese herrliche Idylle. Es roch nach Pferdescheiße und altem Lederimprägnat. Ich stand mitten auf einem Ponyhof. Mein langgehegter Mädchentraum war Wirklichkeit geworden.
Sofort schlenderte ich in den kleinen Ponystall, um mir die reizenden, stinkenden Vierbeiner aus der Nähe anzusehen. In Gedanken saß ich schon nackich auf einem der Kleinpferde und ritt mit Trippelschritten über einen moosbewachsenen Strand. Als ich den Stall betrat, mußte ich mein Gedankengewächs jedoch abrupt entwurzeln. Alle dreiundzwanzig Ponys waren bereits besetzt. Kleine, mit ’Tommy Hilfiger’-Jacken bekleidete Schuhplattler saßen im Sattel und gaben schaumspuckend und zähnefletschend die Sporen. Ein anmutiges und furchteinflößendes Bild. In diesem Moment konnte ich nicht anders und empfand tiefes Mitgefühl für die stinkenden Ponyviecher. Und ich begann, sie zu bewundern; denn sie taten genau das, was ich in ihrer Situation auch getan hätte. Sie stellten sich tot.
Kurzentschlossen nahm ich eine Sense von der schimmelnden Stallwand und machte langen Prozess mit den schuhplattelnden Hilfiger-Zwergen. Ein blutiges, aber erleichterndes Prozedere. Nach getaner Arbeit nahm ich die Jacken an mich und veräußere sie nun bei ebay unter dem Pseudonym ’ponypapst23’. Die dreiundzwanzig Ponys machen sich ganz wunderbar in meinem Aquarium. Morgen Nacht träume ich vom Duisburger Zoo. Einfacher Plan - kindlich genial...



 
     
 

 

Besuch von der Katze

 

Es war ein ganz gewöhnlicher Abend. Ich hatte mich auf der Couch zurechtgelegt, mein perfekt gekühltes Bier stand vor mir auf dem Tisch und aus der Glotze kam Müll vom Vorjahr. Alles ganz normal. Doch etwas unterschied diesen Abend von allen vorherigen. Es klingelte an der Tür. Ich konnte es erst nicht begreifen und sprach das akustische Signal dem Fernseher zu. Doch dann wurde mir bewußt, daß ich zum ersten Mal das Jaulen meiner Tür zu hören bekam. So ungefähr mußte sich der Urmensch gefühlt haben, der das Feuer entdeckt hatte.

Ich hatte keine Ahnung, wie ich mich verhalten sollte, und ob ich überhaupt einen Türöffner für die Haustür hatte. Aus Bekanntenkreisen wußte ich, daß sich ein Summschalter in der Nähe der Wohnungstür befinden mußte. Und da klebte er an der Wand. Ein Kippschalter, bis dato unbeachtet. Ich drückte und horchte dem leisen Summen, das sich einstellte. Aus dem Hausflur kamen Geräusche, die ich dem Öffnen und Schließen der Haustür zuordnete. Ich konnte mein Herz fühlen, wie es begann, schneller zu schlagen. Leichter Schweiß bedeckte meine Stirn. Besuch. Ich bekam Besuch. Warum? Wer konnte das sein? Es war viertel nach Acht. Jeder normale Mensch saß jetzt vorm Fernseher und wartete darauf, unerwartet freigelegte Brüste zu sehen, oder eine Eilmeldung bezüglich eines neuen Terroranschlags in New York. Doch hier gab es einen Menschen, der nicht saß. Er stand. Und zwar urplötzlich vor meiner Tür. Sie war noch geschlossen und ich erschrak, als ich die Gestalt durch den Türspion erblicken konnte. Mein erster Gedanke war 'Ein Riese.', 'Da steht ein Riese vor meiner Wohnung.'.

Wie hypnotisiert betätigte ich die Klinke und öffnete die Tür. Ich mußte meinen Kopf in den Nacken legen, um meinem Gegenüber ins Gesicht sehen zu können. Ich bemerkte, wie er mich aus leicht zugekniffenen, großen Augen fixierte. 'Ich bin die Katze. Ich werde dein Leben verändern.', sagte er. 'Ich bin die Katze. Ich werde dein Leben verändern.'. Er sagte es nochmal. So, als hätte er gewußt, daß ich nichts verstand. Ich wollte gerade ansetzen, um eine verwirrte Frage zu stellen, da spürte ich auch schon seine rechte Klaue an meiner Wange. Sie riß mir die Haut aus dem Gesicht und warmes, frisches Blut floss aus den Wunden. Ich wollte wieder fragen, da trat er mir schon mit dem Fuß in den Magen, daß es mich an die Wand klatschte. Ich brach zusammen und lag, mich krümmend, neben meinem Telefonschränkchen. Die zwei Pranken der Katze ergriffen mich unter den Achseln und trugen mich in Richtung Badezimmer. Dort warf er mich in die Badewanne und ich schlug mit dem Hinterkopf hart an den Fliesen auf. Ich registrierte wie in Zeitlupe, daß sich Tränen einen Weg aus meinen geschlossen Augen bahnten. Ich konnte ein leises Wimmern hören, das ich selber erzeugte. Bei dem Versuch, meine Augen zu öffnen, schrie eine innere Stimme, ich solle meine Augen verdammt nochmal geschlossen halten.

Doch der Drang war stärker und ich konnte verschwommen erkennen, daß der Mann, der in meine Wohnung eingedrungen war und mich völlig ohne Grund angegriffen hatte, eine Kapuze von seinem Kopf streifte. Was zum Vorschein kam, war nichts anderes, als der Kopf einer riesigen Raubkatze. Schwarz, mit langen, spitzen Reißzähnen, die sich leicht nach innen bogen. Er warf seinen Kopf nach hinten und schleuderte mir sein geöffnetes Maul direkt an die Brust. Die Zähne zerrissen mein T-Shirt, und wie im Wahn verbiß sich die Katze in meinem Fleisch. Ich war nicht in der Lage, zu schreien. Ich begann zu weinen. Je weiter er sich in mich hineinfraß, umso jämmerlicher wurde mein Weinen. Als er nachließ, hatte ich keine Schmerzen. Mein ganzer Körper war wie betäubt und schien zu schweben. Es war ein unglaublich leichtes Gefühl und ich mußte unweigerlich lächeln. Doch dann kam der Moment, in dem ich erkannte, daß die Katze mir mein Herz herausgerissen hatte. Blutend und noch leicht zuckend steckte es zwischen seinen verschmierten Zahnreihen. Er sah mich einen Augenblick an und ich hatte das Gefühl, so etwas wie Mitleid in seinen Augen zu sehen.

Die Katze drehte sich um, bückte sich und schlich dann auf allen Vieren aus meinem Badezimmer und aus meiner Wohnung. Ich sah an mir herunter und eine Träne tropfte in das Blut, in dem ich lag. Mein Kopf wurde schwer und jegliche Kräfte hatten meinen Körper verlassen. Ich schloß die Augen, weinte und dachte an Badminton und türkische Süßspeisen.



 
     
 

 

Der kleine Mann und das Meer

 

Wenn ich groß bin, baue ich mir ein kleines Haus direkt am Meer. Da kann ich dann immer auf der Veranda stehen und hinaus aufs Meer gucken. Manchmal fliegt eine Möwe an mir vorbei und ruft mir ein fröhliches 'Fritz, ich mag dich!' zu. Dann nehme ich zufrieden einen Schluck Kaffee aus meiner Muscheltasse und denke darüber nach, in welche Richtung ich heute am Strand entlangflaniere. Ich entscheide mich für den Weg, der zum Leuchtturm führt und atme tief die frische Seeluft ein. Am Himmel über dem scheinbaren Ende des Meeres bilden sich kleine weiße Wölkchen, aus denen ich mit meinen Gedanken ein Gesamtbild meiner Wahl formen kann. Ich habe Lust auf Eis und komponiere mir leckerstes Eiskonfekt. Aus den Dünen zu meiner Rechten bellt ein Hund. Ich kann ihn verstehen, denn ich habe keine Sorgen. Er begrüßt mich und freut sich darüber, daß heute so ein schöner Tag ist, an dem er endlos die Dünen herunterrollen kann. Ich lächle und wünsche ihm viel Spaß. Meine Schuhe lösen sich in Nichts auf, weil sie es können und ich genieße, wie das warme Wasser meine Füße umspült. Vorsichtig steige ich über eine Gruppe frisch geschlüpfter Wasserschildkröten, die jubeln, weil sie zum ersten Mal Wasser riechen. Ihnen droht keine Gefahr, denn ich habe die Macht über alles, was geschieht. Vor mir entdecke ich den Leuchtturm. Heute ist er grün und gelb gestreift. Ich betrete den Turm und steige die hölzerne Wendeltreppe hinauf, bis ich die Spitze erreiche und sich mir ein endloser Blick über das Meer eröffnet. Ich atme noch einmal tief ein und verglühe dann im Wind, weil ich mich nicht freuen kann. Wenn ich groß bin, will ich nicht alleine sein.



 
     
 

 

Nevada was?

 

Ich packe gleich meine Sachen und fliege nach Nevada. Ja, ich kann neuerdings fliegen. Ist ganz einfach. Man muß sich nur konzentrieren und gedanklich an einen Punkt zurückspulen, bevor man gesagt bekam, daß man nicht fliegen kann.
Vorhin hab ich allerdings zu weit zurückgespult und konnte versehentlich zeitreisen. Hab den Jungs im Mittelalter nur kurz erklärt, was Anachronismus bedeutet und bin wieder zurückgekommen. Man kann sich nicht vorstellen, wie's da stinkt. Es lebe die Sanitärgesellschaft!
Auf jeden Fall fliege ich gleich nach Nevada, um mich in die Wüste zu setzen. Mitten rein. Einfach so. Zack. Bumm. Und dann gucken, was passiert. Hört sich nicht spannend an? Hätte ich geschrieben, ich flieg zum Angeln, hätte sich das auch nicht spannend angehört. Aber wer mal einen dicken Fisch an Land gezogen hat, bei dem man die Arme nicht weit genug auseinander bekommt, der weiß, was Spannung heißt.
Also, ich setz mich in die Wüste und harre der Dinge, die da kommen mögen. Ich hab mir sagen lassen, daß sich Ausserirdische ganz gerne in Nevada aufhalten. Kann ich verstehen. Da kann man ohne großes Aufsehen mal kurz zwischenparken. Wobei der Begriff 'Ausserirdische' ja nun wirklich nicht zutrifft, wenn man bedenkt, daß die UFO-Insassen äußerst irdischen Ursprungs sind. So, wie wir bei unseren Vorfahren in den Pyramiden rumpopeln, kommen unsere Nachfahren gelegentlich vorbei und gucken, wie man die ganze Scheiße, die wir hier fabrizieren, noch irgendwie hätte aufhalten können. Archäologie per Zeitreise. Zeitreise - ich weiß Bescheid.
Ach so. Auch wenn ich mich jetzt zwei Jahre in die Wüste setze - ich bin in fünf Minuten wieder da. Und sollte mich dann jemand fragen: 'Du warst in Nevada, was?', kann ich sagen: 'Ne, war da was?'



 
     
 

 

Das Wartehäuschen am Rande der Welt

 

Wenn man einen ganzen Tag mit Warten verbringt, tut man einen Bruchteil seines Lebens nichts als ’Nichts’. Bezieht man dann noch mit ein, daß die Zeit beim Warten gefühlsmäßig wesentlich langsamer vergeht, können aus dem einen Tag schon mal zwei oder mehr Tage werden. Natürlich nur im eigenen Empfinden und nicht auf dem Kalender. Ich warte heute schon drei Stunden und habe damit vierzehn Tage meines Lebens verschwendet. Um die vergeudete Zeit wieder aufzuholen, müßte ich eine unbestimmte Menge an Endorphinen ausschütten, weil dann die Zeit schneller vergehen würde. Ich muß mich aber mit Warten aufhalten und habe somit keine Zeit, diese schneller vergehen zu lassen.

Erschwerend kommt hinzu, daß die Situation, auf die ich warte, und die mich vom Warten erlösen könnte, gar nicht weiß, daß ich auf sie warte. Ich könnte mich also genausogut mit dem Wissen an eine Bushaltestelle stellen, daß an jener Bushaltestelle niemals ein Bus halten wird. Da es aber auch irgendwie aufregend ist, mit dem Unerwarteten zu rechnen, verbleibe ich in meiner Wartestellung und warte noch zwei Jahre, bis dieser schreckliche Wartetag zuende geht.

Wartet nicht auf mich. Ich muß weiterwarten.



 
     
 

 

Koma

 

Der Wagen ist einfach in mich reingerast. Ich habe ihn nicht kommen sehen. In dem Moment, als ich die Bremse bis zum Anschlag durchgetreten habe, gingen bei mir auch schon die Lichter aus.

Jetzt bin ich wach. Die Lichter sind immer noch aus, aber ich weiß, daß ich wach bin. Ich liege. An meinen Handgelenken spüre ich so etwas, wie Lederriemen. Gleiches gilt für meine Fußgelenke. Ich bin nicht in der Lage, mich zu bewegen.
Der Raum, in dem ich mich befinde, ist schwarz. Tiefschwarz. Falls es ein Raum ist. Ich sehe nichts, und ich höre nur Geräusche, die von mir selber ausgehen. Ich atme. Ich kann mich atmen hören. Ich atme nicht ruhig. Zu schnell.

Wie lange liege ich hier schon? Meine innere Uhr spricht von acht bis neun Stunden, aber wahrscheinlich sind es nur zwei oder drei.
Jemand muß mich hier festgebunden haben. Ich selber kann es nicht gewesen sein. Es muß also noch andere Menschen geben. Ich rufe. Völlig sinnlos. Meine Rufe ersticken kurz nachdem sie meine Kehle verlassen haben. Kein Echo. Nichts.

Ich habe Durst. Wenn ich wüßte, wie lange ich hier schon bewußtlos gelegen habe, könnte ich ungefähr sagen, wie lange ich nichts mehr getrunken habe. Ich habe jetzt Durst. Es ist also vollkommen belanglos, wie lange ich nichts mehr getrunken habe.

Warum ist der Wagen in mich reingerast? Wer ist in mich reingerast? Ich kann es mir nicht erklären. Und obwohl ich weiß, daß ich mir keine Antworten geben kann, muß ich darüber nachdenken. Ich scheine viel Zeit zu haben, um darüber nachdenken zu können. Wie lange werde ich hier liegen bleiben?

Ich rieche Urin. Es ist mein eigener Urin. Ich kann die Feuchtigkeit spüren, wenn ich meinen Oberschenkel ein wenig drehe.

Wo wollte ich hin, als der Wagen in mich reingerast ist? Ich weiß es nicht mehr. Aber ich weiß, wo ich hergekommen bin. Ich war bei ihr. Wir haben geredet. Über die Sinnlosigkeit unserer Beziehung. Es gibt keine Beziehung. Es gab keine Beziehung.
Wir haben uns gelegentlich getroffen und uns unsere Sympathie bekundet. Händchen gehalten. Geküsst. Mehr nicht. Mehr ging nicht. Weil sie Angst hat. Angst, für die ich Verständnis habe. Und sie will ihr Leben nicht ändern. Nicht für mich. Auch verständlich. Zumal ich im Moment kein Leben habe. Nicht hier in diesem nachtschwarzen Raum. Auf einen Metalltisch gefesselt.

Ich versuche, mir vorzustellen, wie es hätte sein können. Wie eine Beziehung mit ihr hätte sein können. Bei ihr habe ich zum ersten Mal an ewige Liebe gedacht. Ich habe schon öfter an ewige Liebe gedacht, aber bei ihr hatte ich tatsächlich zum ersten Mal ernsthafte Absichten.
Ich sehe ihr Gesicht vor mir. Wie sie mich angesehen hat. Ich weiß, daß sie nur mich so angesehen hat. Sie hat einen speziellen Blick, der ausschließlich für mich bestimmt ist. Ich weine. Leise.

Sie weiß nicht, wo ich bin. Sie weiß nicht, daß ich hier nackt und gefesselt auf einem Tisch aus kaltem Metall liege. Und sie weiß nicht, daß ich wegen ihr weine. Daß ich um sie weine. 

Ein Wagen ist in mich reingerast. Ich hatte einen Unfall. Ich müßte im Krankenhaus sein. Krankenhäuser sind weiß. Alles in Krankenhäusern ist weiß. Hier ist alles schwarz. Ich bin nicht im Krankenhaus.
Aber bin ich verletzt? Ich habe keine Schmerzen. Mein Kopf dröhnt ein wenig. Kann vom Denken kommen.

Ich werde müde. Aber meine Gedanken lassen mich nicht schlafen. Ich darf nicht schlafen. Jeden Moment kann eine Tür aufgehen, ein Mensch kommt herein, bindet mich los, entschuldigt sich, weil man mich verwechselt hat und läßt mich gehen. Warum, zum Teufel, liege ich hier? Was habe ich getan? Was habe ich verbrochen?

Ich werde sie vielleicht nicht wiedersehen. Was habe ich als Letztes zu ihr gesagt? Was hat sie gesagt? Ich will etwas Schönes gesagt haben, aber ich kann mich nicht erinnern.

Ich friere. Ich habe das Gefühl, daß es kälter geworden ist. Und ich bin müde. Ich kann meine Augen nicht offen halten. Wozu auch. Ich kann sowieso nichts sehen. Meine Augen schließen sich, und ich lausche meinem Atem. Er ist jetzt ganz ruhig.

Eine Tür öffnet sich. Ich hebe kraftlos meinen Kopf. Nur ein wenig. Das Licht, das den Raum flutet, blendet mich. Ich kann schemenhaft eine Gestalt erkennen, die sich dem Tisch nähert, auf dem ich angeschnallt liege.
Als die Gestalt neben mir steht, kann ich erkennen, daß sie es ist. Sie hat mich gefunden. Ich lache. Ich will etwas sagen, aber meine Kehle ist zu trocken. Sie steht neben mir und sieht mich an. Es ist nicht der Blick, der nur für mich bestimmt ist. Sie weint. Ich spüre, wie sie meine rechte Hand nimmt und sie zärtlich streichelt. Warum weinst Du? Denke ich. Ich kriege kein Wort raus. Sie antwortet nicht. Sie beugt sich über mich, und eine Träne tropft auf meine Wange. Warum weinst Du? Sie führt ihre Lippen an meine Lippen, aber ich kann sie nicht fühlen. Warum weinst Du? Warum weinst Du? Was habe ich Dir als Letztes gesagt? Sie sieht mich an, mit einem Blick, der nicht für mich bestimmt ist, läßt meine Hand los, dreht sich um und geht. Sie schließt die Tür hinter sich, und der Raum ist wieder tiefschwarz.

Ich öffne meine Augen. Ich habe geträumt. Ich bin eingeschlafen. Ganz kurz. Vielleicht. Vielleicht habe ich auch stundenlang geschlafen. Ich weiß es nicht. Ich kriege Panik.

Ich werde sie nicht wiedersehen.

Alles schwarz.



 
     
 

 

Eine Wischensaft für sich

 

Ich habe einen guten Freund, mit dem ich mich gerne treffe, um mich mit ihm zu unterhalten. Sein Name ist Jochen, und er leidet unter einer geringfügigen Störung des Sprachzentrums. So sieht er sich nicht in der Lage, ein scharfes 'S' zu artikulieren. Bei ihm wird es zu einem 'Sch'. Soll er jedoch ein 'Sch' über die Zunge bringen, kommt ein ordinäres 'S' dabei heraus.

Jochen und ich hatten uns für den letzten Sonntag verabredet, um den ganzen Tag miteinander zu verbringen. Schon als ich morgens in unserem Lieblingscafé saß und Jochen hereinkommen sah, mußte ich in mich hineingrinsen, weil er mich immer mit den Worten begrüßt: „Hallo Fritsch. Wie gehtsch?"
Auf meine Gegenfrage, wie er sich fühle, antwortete er am Sonntag mit: „Gut." Schöner ist es allerdings, wenn es ihm schlecht geht. Dann sagt er: „Besischen."

Als die Kellnerin kam, um unsere Bestellung aufzunehmen, orderte ich mein obligatorisches französisches Frühstück mit zwei Croissants, Marmelade und einem Milchkaffee. Jochen hingegen verlangte nach einer kleinen Sale Müschli mit Obscht und einer Tasche Kaffee.
Er erzählte, daß er tags zuvor beim Fuschball war, um sich Rot-Weisch Eschen gegen Fortuna Düscheldorf antschusauen. Das Mäds endete Tschwei tschu Tschwei unentsieden, und der Siedschrichter war wohl richtig slecht.
Während wir uns unsere Morgenmahlzeit einverleibten, fragte ich Jochen, was er denn heute so machen wolle. Er antwortete, er habe erschtmal Luscht auf einen kleinen Saufenschterbummel, um sich nach neuen Suhen umtschusauen. Das stellte ich mir lustig vor und willigte ein.
Nachdem wir aufgegessen hatten, rief Jochen die Kellnerin: „Hallo, Fräulein. Können Sie kaschieren kommen?"
Die Kellnerin kam kaschieren, und Jochen sagte zu mir: „Lasch mal, Fritsch. Ich betschahl dasch."
Weil sie durch seinen Sprachfehler unkonzentriert war, ließ die Kellnerin beim Abräumen die Müslischale fallen, woraufhin diese in tausend Stücke zersprang. Jochen wußte tröstende Worte zu finden: „Sade um die söne Süschel, aber Serben bringen Glück."
Ich riet ihm, den Scherben-Spruch möglichst nicht anzuwenden, falls er sich mal zufällig im Kosovo aufhalten sollte, und wir verließen das Café, um unseren Saufenschterbummel in Angriff zu nehmen.

Nach knapp fünf Minuten rief Jochen zum ersten Mal: „Da! Ein Suhgesäft!"
Wir verharrten vor dem Saufenschter, und Jochen tscheigte sich begeischtert von den eleganten Schlippern und den italienisen Sdraschensuhen. Die Fuschballsuhe intereschierten ihn weniger. Er verdeutlichte mir seine Vorliebe für Suhe in swartsch-weisch, weil die besonders sick auschsauen. Den Sdiefeln konnte er gar nichtsch abgewinnen, weil er in denen immer Fuschsmertschen bekommt.

Wir slenderten weiter durch die Sdadt, und Jochen blieb vor einem Gesäft sdehen, dasch typis britise Waren veräuscherte. Er tscheigte mit dem Finger auf die Auschlage und sagte: „Haha, in so einem Sottenrock siehscht Du besdimmt luschtig ausch. Und guck! Sottiser Snapsch."
Er ertschählte noch von seinem sdändigen Heischhunger auf 'Fis and Sipsch', und dann gingen wir weiter.

Nächschter Haltepunkt war ein Sreibwarengesäft, in deschen Saufenschter eine antike Sreibmasine auschgesdellt war. Jochen verriet mir, dasch er mit tschehn Fingern sreiben könne, weil er vor tschwei Jahren einen Sreibmasinenkursch in der Volkschhochsule besucht hatte. Ich erwiderte, dasch ich bescher mit Bleisdift sreibe. Füller lehnten wir beide ab, weil wir tschu der Gattung Mens gehören, die sich den Hemdschärmel gerne mit Tinte besmutschen. Und weil Tinte nicht wascherlöschlich ischt, kriegt man dasch bei der Wäse slecht wieder rausch.

Nach dem auschgedehnten Saufenschterbummel meldete sich bei Jochen wieder ein leichtesch Hungergefühl an, und wir suchten den nächschten Imbisch auf. Wir sdudierten die Sbeisekarte und Jochen besdellte für unsch: „Tschweimal Currywurscht, Pommesch. Für mich ein Wascher, und für meinen Kollegen eine Pepschi."
Der Mann hinter dem Tresen saute mich etwasch hilflosch an, und ich sagte: „Tschweimal Currywurscht, Pommesch, ein Wascher und 'ne Pepschi. Isch doch nich so komplitschiert."
Die Tscheit, in der wir auf unser Eschen warteten, überbrückten wir, indem Jochen mir die neueschten Klatsgesichten ausch seiner Familie ertschählte. So erfuhr ich, dasch seine Sweschter swanger sei, obwohl der Swangersaftstescht negativ auschgefallen war. Sein Swager besuldigte Jochensch Sweschter, beim Verhüten gesummelt tschu haben. Da die Familie nicht wirklich auf Nachwuksch eingesdellt sei, sdünden swere Tscheiten bevor.
Dann kam der Imbischfacharbeiter mit unserem Eschen. Die Currysosche war so sarf, dasch wir beide insch Switschen kamen. Wir muschten unsch tschwei tschusätschliche Getränke besdellen.
Nachdem wir die letschte Pommesch in unsch reingesdopft hatten, übernahm ich dieschmal die Rechnung und gab füntschig Tschent Trinkgeld.

Jochen fiel ein, dasch sich tschur Tscheit eine Kirmesch in der Sdadt befände, und ich bekundete sofort mein Interesche, dorthin tschu fahren. Also machten wir unsch auf den Weg, um mit der Esch-Bahn den Rummelplatsch antschusdeuern. Alsch wir dort ankamen, war ich begeischtert, weil esch sogar eine Siffsaukel gab. Auscherdem hatten wir die Möglichkeit, durch eine Wildwascherbahn beluschtigt tschu werden. An der Sieschbude traf Jochen mit jedem Susch insch Tschiel, nur beim letschten Susch blieb die Rose hängen, obwohl er getroffen hatte. Er warf dem Sausdeller vor, besischen worden tschu sein, und wir genehmigten unsch tschur Beruhigung jeder eine Portschion Tschuckerwatte.
Nach tschweieinhalb Sdunden verlieschen wir den Rummelplatsch. Jochen trug einen übergroschen Sdoffsimpansen auf der Sulter, den er beim Losetschiehen gewonnen hatte.

Wir besloschen, den Tag in einer sönen Gaschtsdätte auschklingen tschu laschen und gingen in eine Kneipe mit dem verheischungschvollen Namen 'Zur Siffschklause'. Dort sdanden snell tschwei Bier und tschwei Snapschgläser vor unsch. Der Wirt brachte unsch auch noch eine Sale Nüsche, für die wir unsch auscherordentlich bedankten.
Jochen hatte ein paar luschtige Witsche auf Lager, die er tschum Beschten gab. Ich kam ausch dem Lachen gar nicht mehr herausch und bekam son Bauchsmertschen.
Alsch wir beide müde wurden, bekundeten wir unsch gegenseitig, wasch esch für einen Sbasch macht, die Tscheit miteinander tschu verbringen.

Jochen und ich verlieschen die Gaschtsdätte, und alsch er sich mit seinem Sdoffsimpansen in ein Takschi setschte, um nach Hause tschu fahren, veradsiedeten wir unsch mit den Worten: „Machsch gut!" und „Machsch bescher!"

Ich winkte dem Takschi hinterher und dachte: „Dsüsch, Jochen. Slaf sön und bisch demnäkscht."



 
     
 

 

Tschelten am Mischischippi

 

Den letzten Sommerurlaub haben mein Kumpel Jochen und ich gemeinsam verbracht. Wir sind zusammen nach New Orleans geflogen und haben am Mississippi gezeltet. Eine Woche lang. Mehr Jahresurlaub stand Jochen nicht mehr zur Verfügung.

Wir trafen uns in Düsseldorf am Flughafen, um an einem sonnigen Sonntagmorgen im Terminal A einzuchecken. Jochen trug einen großen Rucksack auf dem Rücken und begrüßte mich, wie immer, mit den Worten: „Hallo Fritsch. Wie gehtsch?"
Jochen hat einen Sprachfehler. Er kann kein scharfes 'S' sprechen und bildet statt dessen ein 'Sch'. Müßte aus seinem Mund aber ein 'Sch' kommen, hört man nur ein dumpfes 'S'.

Am Check-in-Schalter wurde Jochen von der uniformierten Flughafenangestellten gefragt, welches sein Reiseziel sei, und er antwortete: „Mein Reisetschiel? New Orleansch. Mein Kumpel und ich tschelten am Mischischippi. Ädwentsör-Trip tschu tschweit."
Jochen neigt dazu, auf sachliche Fragen, die eine einfache Antwort verlangen, äußerst ausschweifend zu reagieren. Die Dame jedenfalls nickte freundlich, wobei sie sehr professionell lächelte und verlangte nach Jochens Reisepaß.
„Mein Reisepasch. Richtig. Moment. Wo hab ich… Hier. - Bekomme ich bei Ihnen son einen Sdempel in den Pasch?" fragte Jochen erwartungsfroh, und die Dame antwortete: „Einen Stempel gibt es erst beim Zoll in New Orleans."
Jochen war etwas resigniert und murmelte: „Richtig. Den Sdempel gibtsch erscht beim Tscholl in New Orleansch.", um dann mit gestärkter Stimme fortzufahren: „Ich hab in dem Pasch Sdempel ausch Schan Franschischko und ausch Barschelona in Sbanien. In Barschelona wollten die am Tscholl erscht gar nicht sdempeln, wegen Europäiser Union und so…"
Ich merkte, wie die Schlange von Wartenden hinter mir immer unruhiger wurde, aber wenn Jochen mal ins Reden kommt, ist er nur schwer aufzuhalten. Die Flughafenangestellte würgte ihn ab, indem sie ihm sein Ticket reichte und sagte: „Hier ist Ihr Ticket. Gate 63. Boarding ist um zehn Uhr fünfunddreißig."
Diesmal gab Jochen die knappe Antwort: „Sönen Dank."

Als wir um zehn Uhr fünfzig geboardet wurden und unsere Plätze im Flugzeug suchten, fiel Jochen auf: „Ich sitsche am Fenschter. Klasche!"
Ich nahm den Platz neben ihm ein, und er befahl: „Ansnallen nich vergeschen!", fügte dann jedoch hinzu: „Obwohl, wenn wir absdürtschen hilft ein Ansnallgurt auch nicht viel. Da musch man dann einen koloschalen Sutschengel haben."
Ich hoffte, daß wir den Sutschengel nicht in Anspruch nehmen müßten und wünschte Jochen einen guten Flug.

Die für uns zuständige Stewardeß blickte mich das erste Mal hilfesuchend an, als Jochen auf ihre Getränkefrage ein sdillesch Wascher bestellte. Ich übersetzte und sagte: „Eine Cola."
Jochen regte sich zwar kurz darüber auf, dasch die Schduardeschen sdändig allesch verweckscheln, trank dann aber geduldig sein Colagetränk.

Mein Kumpel hatte anseinend an allesch gedacht, denn er tschauberte plötschlich einen kleinen Sbielekoffer hervor und fragte mich: „Luscht auf Sach? Vergeht die Tscheit wie im Flug."
Jochen glotschte mich mit groschen Augen an, und ich wartete mit meiner Antwort, weil ich wischen wollte, ob er noch merken würde, dasch er gerade einen guten Witsch von sich gegeben hatte. Aber er merkte esch nicht, und ich bejahte seine Frage.
Ich baute dasch Sachsbiel auf und bekam von Jochen die swartschen Figuren tschugeteilt. Nach einiger Tscheit waren wir tief in das Sbiel versunken, und die Überlegungen, den nächschten Tschug betreffend, wurden immer länger. Ich freute mich, denn Jochen kommentierte viele meiner Tschüge mit den Worten: „Guter Sachtschug." Alsch ich dasch Sbiel irgendwann mit einem „Sach Matt!" beendete, entfuhr ihm ein fruschtriertesch „Seische!"

Nach einem knapp tschwölfsdündigen Flug setschte unsere Masine sicher auf der Landebahn des New Orleansch Internäsionäl Airport auf. Jochen war der eintschige, der kladsde. Er sdupschte mich in die Seite und rief: „Losch! Kladsen!"
Also kladsde ich. Aber dabei blieb'sch. Esch slosch sich kein weiterer Fluggascht unserer Begeischterung über die gelungene Landung an.

Jochen und ich holten unsch unser Gepäck vom Laufband und machten unsch auf den Weg in Richtung Paschkontrolle. Ich betete innerlich, dasch die Sache mit dem Sdempel im Pasch glimpflich ablaufen möge. Und tatschächlich. Er bekam unaufgefordert seinen Sdempel in den Reisepasch gedrückt und bedankte sich höflich mit: „Schänk ju."

Im Busch, der unsch tschum Tscheltplatsch fuhr, ertschählte Jochen, dasch er son einmal Tschelten war. Und tschwar in Sleschwig-Holsdein. Damalsch war esch die gantsche Tscheit sdürmisch, und er muschte sein Tschelt mit maschiven Sdeinen besweren, damit esch nicht wegflog. Auscherdem hatte ihm ein Saf auf den Slafsack gepischt. Jochen hatte sich damalsch gedacht: „Wenigschtensch hat esch nicht gesischen."

Alsch wir am Campingplatsch ankamen, holten wir unsch alsch Erschtesch am dortigen Kioschk ein Eisch. Esch gab sogar Sbeiseeisch in Plaschtikbechern. Ich entsied mich für Sokolade, und Jochen nahm Sdraschiatella. Dann suchten wir den unsch tschugeteilten Platsch tschum Tschelten. Wir waren völlig ausch dem Häuschchen, weil wir einen supersönen Auschblick auf den Mischischippi hatten.
Jochen begann, unser Tschwei-Mann-Tschelt auschtschupacken, und ich gab, den Konschtruktschionschplan sdudierend, Anweisungen, welche Sdange mit welcher Snur verbunden werden muschte. Jochen sdellte dasch Tschelt problemlosch in die Landsaft, muschte dann aber doch nochmal von vorne anfangen, weil die Innenseite überrasenderweise auschen war.

Durch die Tscheitversiebung war esch jetscht erscht siebtschehn Uhr, aber Jochen und ich waren bereitsch todmüde. Wir besloschen, unsch mit unseren Slafsäcken an den groschen Flusch tschu legen, um ein wenig tschu slummern.

Wir hielten Auschsau nach einem paschenden Plätschchen, und kurtsch bevor wir beide wegdöschten, flüschterte Jochen noch: „Hier isch esch Sbitsche."
Dann landete ein Sbatschensisch direkt auf seiner Sdirn.



 
     
 

 

Sbatschieren durch New Orleansch

 

Nach der ersten Nacht auf dem Zeltplatz am Mississippi, die sehr ruhig und erholsam verlaufen war, hatten mein Kumpel Jochen und ich uns vorgenommen, New Orleans zu erkunden.
Vorher wollten wir aber in der Gaststätte des Campingplatzes ein gepflegtes Frühstück zu uns nehmen. So war denn auch das Erste, was Jochen an dem Tag verbal von sich gab: „Breckfescht!"
Sein Sprachfehler, der bewirkt, daß ein scharfes 'S' zum 'Sch' und ein 'Sch' zu einem dumpfen 'S' wird, macht es ihm besonders schwer, sich auf englisch zu verständigen.

Als wir die Wirtschaft betraten, war Jochen gleich hellauf begeistert von der Inneneinrichtung. Alles war mit alten Möbeln aus einer vergangenen Western-Zeit ausgestattet. Mit großen Augen zeigte er auf ein eingerahmtes Bild, daß an der Wand hing und sagte: „Dasch ischt Dsesche Dsäimsch! Deschen Lebenschlauf kenn' ich so gut wie auschwendig. Der wurde in Mischouri geboren und hatte vier Geswischter. Ersoschen wurde der, alsch er gerade auf einem Sduhl sdand, um ein Bild tschu endsdauben. Kopfsusch. Luschtig, nich?"
Ich zwang mir ein gespieltes Lächeln aufs Gesicht, und wir setzten uns an einen Tisch, um in der Speisekarte zu blättern. „Ich nehm das mekschikanise Frühsdück und eine Tasche Eschprescho. Und Du?", sagte Jochen und blickte mich fragend an. Ich entschied mich für die Mississippi-Dampfnudeln und einen plumpen Bohnenkaffee. Als der schnauzbärtige Kellner kam, bestand ich darauf, die Bestellung aufzugeben, um Jochen nicht schon so früh am Tag bloßzustellen.

Während des gesamten Frühstücks erzählte Jochen von seiner Arbeit als Pförtner in einem Pharmakonzern. Er schob sich eine Gabel mexikanische Bohnen in den Mund und sagte: „Sichtdienscht ischt echt ansdrengend. Tagsicht ischt okay, aber ich hasche Nachtsicht."
Ich fragte ihn, was denn sein aufregendstes Pförtnererlebnis gewesen sei, und Jochen antwortete: „Mein aufregendschtesch Erlebnisch… Lasch mal überlegen. – Einmal ischt ein Laschter in dasch Pförtnerhäuschchen reingesauscht, der pharmatscheutise Produkte tschum Hafen bringen sollte, um die nach Sanghai versiffen zu laschen."
Ich dachte kurz über das Gesagte nach, dann fuhr Jochen fort: „Aber dasch alleraufregendschte war, alsch während einer Nachtsicht eine söne Frau an die Seibe geklopft hat. Weischte, wer dasch war?" Er schaute mich gespannt an, und ich blickte gebannt auf das Maiskorn, das ihm im Mundwinkel klebte. „Dolly Baschter. Wasch sagschte jetscht?", fragte Jochen. Ich sagte nichts.
„Die isch da tschufällig vorbeigeladsd und hatte eine swere Versbannung in den Sultern. Deschwegen hat sie mich gefragt, ob ich sie maschieren kann. Ich war erscht überrasd, aber dann hab ich tschwei Sdunden lang maschiert. Tschwisendurch muschte ich immer wieder die Sranke öffnen und slieschen. Dasch war meine beschte Nachtsicht. Mit Absdand."
Jochen hatte seine Geschichte beendet und saß nun mit verträumten Augen vor mir. Er schien die Nachtsicht noch einmal revue paschieren tschu laschen, während sich dasch Maischkorn in die Eschpreschotasche sdürtschte.

Nach dem auschgiebigen Frühsdück gingen wir tschur Retscheptschion desch Tscheltplatschesch und liehen unsch Inline-Schkäitsch ausch, um damit nach New Orleansch tschu fahren. Inline-Schkäiten ischt Jochensch Leidensaft. Er sagt immer wieder: „Isch wie Slittsuhlaufen – nur ohne Eisch."
In den viertschig Minuten, die wir brauchten, um in die Sdadt tschu rollen, sang Jochen die gantsche Tscheit: „Muschi denn, muschi denn, tschu-um Sdädele hinausch, Sdädele hinausch, u-und Du, mein Satsch, bleibscht hier."
Ich muschte mich irgendwann tschwingen, nicht mehr hintschuhören und versuchte, mich auf die söne Landsaft tschu kontschentrieren.

In New Orleansch sdoppte Jochen vor einem Gesäft und rief: „Sallplatten! Ich will da rein und Sallplatten ansauen!"
Also snallten wir die Schkäitsch ab, slüpften in unsere Adidasch-Ladsen und gingen in dasch Gesäft, um Sallplatten antschusauen. Esch gab eine grosche Abteilung mit Bluhschplatten. Wir kramten einige Tscheit in den Plattensdapeln herum, bisch Jochen ein Ekschemplar in die Luft hielt und rief: „Sau mal, Fritsch! Gary Moore! Schtill Got Se Bluhsch! Groschesch Tennisch! Die ischesch."
Jochen sritt sdolz tschur Kasche und fragte, ob er mit Ämerikän-Ekschpresch-Reisesecksch betschahlen könne, aber der Verkäufer süttelte nur versdändnischlosch mit dem Kopf.
Enttäusd, weil ohne Bluhschseibe, aber mit Bluhsch im Blick, verliesch Jochen dasch Gesäft und machte mich darauf aufmerksam, dasch wir tschuerscht tschur Sbarkasche müschten, um Geld tschu weckscheln.

In der Bank sdellten wir unsch in die Slange vor dem Weckschelsalter. Ich tscheigte auf einen Schekjuritimensen und sagte: „Guck Dir die Pischtole an, Jochen. Wenn Du die tschum Freund hascht, hascht Du keine Feinde mehr."
Jochen guckte mich nur komis an und fragte, warum ich 'Pischtole' sagen würde, wo esch doch 'Pischtole' heischt.
Dann war er an der Reihe und versuchte, der Dame am Weckschelsalter sein Anliegen tschu erklären. „Hello Misch. Mai näim isch Jochen änt ai neet tu dsäinds monni. Ai kamm fromm dsörmäni änd mai frent Fritsch hier änd ai kämpen on se tscheltpläisch. Hier. Sisch isch mai Ämerikän-Ekschpresch-Reisesecksch änd ai nied riel Dollarsch. Pliesch."
Jochen grinschte, weil er esch gesafft hatte, richtig viel englis auf einmal tschu sbrechen. Die Dame am Salter saute tschiemlich versdört, sien aber tschu ahnen, wasch sie mit den Reisesecksch ansdellen sollte. Tschumindescht reichte sie Jochen ein paar Dollarseine und lächelte dabei gequält freundlich.

Tschurück auf der Sdrasche sagte Jochen: „Jetscht hol ich mir den Bluhsch!"
Er hopschte in Richtung Sallplattengesäft, sdiesch die Tür auf und verswand im Laden, während ich drauschen wartete. Ein gelber Sulbusch fuhr an mir vorbei. Dasch war klasche, weil ich diese original amerikanisen gelben Sulbusche bisch dahin nur ausch der Glotsche kannte.
Alsch Jochen wieder herauschkam, mit der Bluhschplatte in Händen, jubelte er: „Jetscht geb ich nen Snapsch ausch!"
Wir hielten Auschsau nach einem sönen Etablischemong, und Jochen tscheigte auf ein Lokal, dasch sich 'Schlippy Mischischippi' nannte. Weil sich dasch luschtig anhörte, wollte Jochen da rein.

Jochen setschte sich snell an einen Tis am Fenschter und rief dem Wirt tschu: „Mischter! Tu Snapsch, pliesch! No, warte. Tu Wischkiesch, pliesch! On se rocksch!"
Ausch tschwei wurden inschgesamt tschwölf Wischkiesch. Alle on se rocksch. Tschiemlich angesiggert verlieschen wir drei Sdunden sbäter die Gaschtsdätte und machten unsch auf einen äuscherscht beswerlichen Heimweg, weil wir beide mit den Inline-Schkäitern nicht mehr klarkamen.

Am Tscheltplatsch, nachdem wir die Schkäitsch an der Retscheptschion abegegeben hatten, fiel Jochen plötschlich auf: „Fritsch. Ich hab meine Salplatte im Schlippy Mischischippi vergeschen. Seischdreck."
Er saute mich gantsch traurig an, und ich sagte: „Jochen. Dasch isch Bluhsch."



 
     
 

 

Mischischippiraddampfersifffahrt

 

Am zweiten Morgen auf dem Zeltplatz am Mississippi war ich schon früh wach. Ich lag in meinem Schlafsack, das Gesicht zur Zeltwand gedreht. Draußen zwitscherten Vögel. Im Schlafsack neben mir war mein Kumpel Jochen eingewickelt und redete im Schlaf. Ich vermutete, daß er dabei war, den Verlust seiner Gary Moore-Schallplatte zu verarbeiten, denn ich hörte ein gemurmeltes 'Mischt, Mischt, Mischt, Mischt'.
Sein Sprachfehler, der es ihm nicht erlaubt, ein scharfes 'S' zu sprechen, läßt Jochen auch schlafend nicht im Stich. Bei ihm wird es ein 'Sch'. Erfordert die Artikulation jedoch ein 'Sch', entsteht ein ganz normales 'S'.

Fünf Minuten später wachte Jochen auf, und ich fragte ihn, wie er geschlafen habe. Ich wußte, daß er flunkert, als er antwortete: „Beschtensch."
Für diesen Tag hatten wir uns eine schöne Raddampferfahrt auf dem Mississippi vorgenommen. Vorher vollzogen wir allerdings unsere Morgentoilette in den sanitären Anlagen des Zeltplatzes. Als ich gerade dabei war, mir die Haare zu waschen, hörte ich Jochen rufen: „Meine Dusmüntschen sind alle! Fritsch! Hörscht Du? Meine Dusmüntschen sind alle, und ich bin noch voll mit Saum! Hascht Du noch Müntschen?"
Ich hatte noch Münzen und ließ eine über die nassen Fliesen in seine Duschkabine gleiten. Beim Bücken nach der Duschmünze stieß Jochen mit dem Kopf gegen die Kabinenwand und gab ein mißmutiges 'Seibenkleischter' von sich.

Frisch geduscht und bereit für große Taten, machten wir uns auf den Weg, um unsere Raddampferfahrt in Angriff zu nehmen. Diesmal fuhren wir mit dem Bus in die Stadt, und auf der Fahrt erzählte Jochen mir freizügig von seinem ersten Geschlechtsverkehr.

„Ich war da achttschehn oder neuntschehn.", sagte Jochen, verfing sich dann aber in seinen Gedanken, und es dauerte eine knappe Minute, bis er mit seiner Geschichte fortfuhr.
„Ne, Quads. Ich war son Tschwantschig. Da hab ich inner Dischco so 'ne Snitte kennengelernt. Swartsche, lange Haare und söne grosche Augen. Paschte genau in mein Raschter. Und wir haben dann viel tschusammen getrunken und ertschählt. Also, eigentlich hat sie ertschählt, und ich hab intereschiert tschugehört. Bisch wir irgendwann total tschugesoffen waren. Da hat sie dann gesagt, dasch sie nach Hause will, und ich hab gesagt, dasch ich auch will. Also nach Hause. Und dann haben wir… Ne, wir sind dann also tschusammen rausch. Ausch der Dischco. Und vor der Tür hat sie dann ein Takschi gerufen… Ach, ne. Dasch sdand da son. Aber ich hab erschtmal gekotscht."

Jochen kam langsam ins Schwitzen, während seine Geschichte immer konfuser wurde, und ich mich fragte, wann wohl die Stelle mit dem Sex kommen würde.

„Jedenfallsch hat sie im Takschi auf mich gewartet, bisch ich mit Kotschen fertig war, und da dachte ich son, dasch dasch wasch werden kann, wenn die son auf mich wartet und so. Naja, wir sind dann also losch mit dem Takschi, und da hat sie mir auch son so die Hand aufsch Knie… Bisch wir dann bei ihr vorm Hausch waren. Also da, wo sie gewohnt hat. Und ich dachte, toll, die sdeigt jetscht ausch und dsüsch. Bisch in hundert Jahren oder so. Aber die fragt doch glatt, ob ich noch mit rauf will, auf 'ne Tasche Kaffee. So typis, weischt son. Und ich denk, seische, ich sdink doch jetscht voll auschm Halsch, vom Kotschen. Aber naja, hab ich dem Takschifahrer 'nen Tschwanni in die Hand gedrückt und bin da mit rauf. Tschu ihr. Und dasch war 'ne richtig klasche Butsche, die die da hatte. Mit Holtschfuschboden und so. Richtig sick. Und im Slaftschimmer war allesch mit Plüs. Total schpäischig. Jedenfallsch isch sie dann in die Küche, Kaffee machen, und ich hab mich auschgetschogen und aufsch Bett gelegt. Wascherbett, Alter! Dachte auch erscht, wie krasch, 'n Wascherbett, aber dann hab ich gemerkt, dasch mir dasch gar nich so gut bekommt, weil mir gleich wieder slecht wurde. Vom Wackeln, weischte? Sie kam dann halt auch irgendwann mit dem Kaffee und hatte sich auch son… Also, die war auch nur noch in Unterwäse. Reitschwäse. Sdrapsche. Richtig krasch. Und alsch sie sich dann tschu mir legt, da greift die mir sofort ansch…"

Gerade, als es spannend wurde und Jochens erster Sex in der Luft lag, hielt der Bus am Anlegeplatz des Mississippi-Raddampfers, und wir mußten aussteigen. An seinem Blick konnte ich erkennen, daß es keinen Sinn machen würde, ihn nach dem Ende seiner Geschichte zu fragen. Jochen war jetzt auf den vor uns liegenden Raddampfer fickschiert.

Wir holten unsch an der Kasche Ticketsch für die Rundfahrt und besdiegen den Dampfer. Jochen wollte gerne gansch hinten sitschen, weil man da dasch Saufelrad am Beschten sehen konnte.
Letschtlich hatte er aber doch keine Augen für dasch grosche Rad, weil er sich sofort in die swartschhaarige Dame vesoschen hatte, die an einem Tresen Schouvenirsch verkaufte. So bat mich Jochen dann auch alle tschehn Minuten: „Fritsch, hascht du noch ein oder tschwei Dollarsch für mich? Ich brauch noch eine Ansichtschkarte."
Nach dem dritten Mal fragte ich ihn, wem er denn allesch sreiben wolle, und Jochen antwortete: „Man kann nicht genug Ansichtschkarten haben. Nachher sitsch ich aufm Tscheltplatsch und ärger mich, weil ich noch Frau Sultsch oder Herrn Smidt sreiben will und keine Karten mehr hab oder so…"
Alsch er von seinem achten Einkauf tschurückkam, flüschterte Jochen: „Fritsch, ich glaub, die hat wasch gemerkt. Isch aber auch echt doof, dasch die nur tschwei Motive haben. Und ich hab jetscht… warte… tschweiundtschwantschig Ansichtschkarten."
Er sah tschiemlich vertschweifelt ausch und wuschte anseinend auch nicht, wasch er noch tun sollte, um der Mischischippi-Sönheit seine Liebe tschu bekunden.
„Wasch soll ich denn noch machen, Fritsch? Ich geh da immer hin, sag 'Sies Kardsch, pliesch', und dann grinscht die freundlich, ich werd rot, kann nur noch 'Schänk ju' sagen und bin dann wieder weg. Ich komm mit der einfach nich insch Gesbräch…"
Ich gab ihm den Rat, einfach mal wasch anderesch tschu kaufen, wie tschum Beisbiel eine Mischischippi-Raddampfer-Sneekugel und dann tschu fragen, wie lange sie son Schouvenirsch verkauft.
„Dasch isch sbitsche! Dasch mach ich so!", rief Jochen und lief in Richtung Schouvenirtresen, um gleich wieder kehrt tschu machen und mich tschu fragen: „Hascht du nochmal fünf, secksch Dollarsch? So 'ne Sneekugel isch besdimmt nich gansch so günschtig…"

Ich gab ihm einen Tschehn-Dollar-Sein, und Jochen machte sich wieder auf den Weg, um seine Liebeschmischion erfolgreich tschu beenden.
Währenddeschen genosch ich die vorbeitschiehende Landsaft und lausde dem Plädsern desch Waschersch, dasch dasch Saufelrad hinter mir ertscheugte. Mich liesch auch der Gedanke nicht losch, wie Jochensch Gesichte wohl weitergegangen wäre. Wie lange hatte sein erschter Schecksch gedauert? Muschte er dabei vielleicht sogar sweinise Sachen sagen? Und wonach hatte die Sdrapschensnitte gegriffen?

Alsch Jochen wiederkam, sah er etwasch niedergeslagen ausch. Er reichte mir seine neu erworbene Sneekugel und sagte: „Allesch umsonst, Fritsch. Ich hab versucht, sie tschu fragen, ob sie mit mir auschgehen will. Da hat sie wieder gegrinscht und irgendwasch gesagt, dasch ich nicht versdanden hab. Hab dann auch mit den Ackscheln getschuckt, weil ich ja nichtsch versdanden hab, und da hat sie ein paar Geschten gemacht, und dann hab ich versdanden. Fritsch. Die isch leschbis! Brauchscht du Ansichtschkarten?"
Konschterniert liesch er sich neben mir nieder und sagte die reschtliche Fahrt kein Wort mehr. Ich verkniff esch mir, ihn nochmal auf seinen erschten Geslechtschverkehr antschusbrechen. Dasch hätte seine Laune nicht wirklich verbeschert.

Nachdem wir den Raddampfer wieder verlaschen hatten und gerade in den Busch einsdeigen wollten, der unsch tschum Tscheltplatsch tschurückfahren sollte, entdeckte Jochen ein Werbesild.
„Sau dir dasch an, Fritsch! Dasch hört sich klasche an!"
Er tscheigte auf dasch Sild, und ich hoffte, dasch er nicht sagen würde, wasch er aber dann doch voller Übertscheugung von sich gab: „Fritsch! Morgen fahren wir Waschersi!"



 
     
 

 

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